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Taijiquan

Schwert

Herkunft der Namen von Schwertfolgen



Die Namen der einzelnen Stellungen innerhalb der Taiji-Schwert-Bewegungsfolge haben ihren Ursprung einerseits in den chinesischen Kampfkünsten, andererseits in Beobachtungen der Natur und des täglichen Lebens: sie beziehen sich auf Verteidigungs- und Angriffstechniken, auf den Kosmos, die Tier- und Pflanzenwelt und auf das Reich der alten chinesischen Mythen und Legenden. Man hat sich zur Bezeichnung der Stellungen phantasievolle Namen ausgedacht und war immer bemüht, dem Ausdruck zu verleihen, was man z.B. an einer Tierbewegung als besonders typisch erachtete. Was an der anmutigen Bewegungsweise einzelner Tiere beeindruckte oder was man in der Vorstellung dem sagenumwobenem Vogel Feng-Huang oder Drachen zuschrieb, war Grundlage für die Auswahl der Namen. Die Schwert-Schüler wurden von ihren Lehrern immer wieder dazu angehalten, über die Bedeutung der Namen nachzudenken und diese beim Üben gleichsam vor ihrem inneren Auge zu behalten. Denn die innere Vorstellung und die so gelenkte Aufmerksamkeit (Yi) fördern die harmonisch und fließend auszuführenden Bewegungen und verhelfen somit auch zu einem klareren Verständnis der verschiedenen Schwert-Techniken (siehe Kapitel xx, Die Dreizehn Techniken)

Thomas Huber





1. Vorbereitung Yü Bei Shi (wörtlich: Yü Bei = vorbereiten, sich bereit machen, Shi = Stellung)

2. Taiji-Schwert-Anfangsstellung Tai Ji Jian Qi Shi (wörtlich: Tai = groß, Ji = Extrem, äußerstes Ende, Jian = Schwert, Qi = Anfang, Shi = Stellung)

3. Ring um den Mond - dreimal San Huan Tao Yue (wörtlich: San = drei, Huan = Ring; Tao = einen Ring oder eine Schleife umlegen, Yue = Mond) Der Name Ring um den Mond - dreimal geht auf Beobachtungen am nächtlichen Sternenhimmel zurück: bei Vollmond kann man hin und wieder einen Ring oder Hof um den Mond beobachten. Dieses Phänomen deutet fast immer auf schlechtes Wetter mit Regen hin. So gewann es besonders bei der Landbevölkerung der alten Agrargesellschaften große Bedeutung für die Vorhersage des Wetters. In diesem Abschnitt der Taiji-Schwert-Form bezeichnet man das Schwert als Mond; die beiden Hände führen dreimal eine Kreisbewegung aus. Daher heißt dieser Bewegungsablauf, der am Anfang der Übung steht, Ring um den Mond - dreimal, und nicht wie manchmal übersetzt wird "Drei Kreise umfangen den Mond".

4. Die vier Trapezsterne des Großen Bären Kui Xing Shi (wörtlich: Kui Xing = die vier Trapezsterne des Großen Bären, Shi = Stellung) Der "Große Bär" ist ein Sternbild, das aus insgesamt sieben Sternen besteht, von denen die unteren vier eine Trapezform bilden [Abb. x]. Mit Kui Xing werden entweder diese vier Trapezsterne oder manchmal auch der Stern, der an der Spitze des Trapezes steht, bezeichnet. Entsprechend der Legende übt dieses Sternbild Einfluß auf die Geisteswissenschaften aus, insbesondere auf die Literatur. So wird Kui Xing auch mit "Gott der Literatur" übersetzt. Welch große Bedeutung Sterne und Sternbilder für die Chinesen vor allem in früheren Zeiten hatten, sieht man z.B. an der Tatsache, daß solche Sätze wie "Der Stern neigt sein Haupt" häufig in alten Büchern zu finden sind; man hat den Sternen schon fast menschliche Eigenschaften zugeschrieben, und es gibt im alten China viele Bilder und Statuen von Sternen in Menschengestalt.

5. Die Schwalbe fliegt übers Wasser Yan Zi Chao Shui (wörtlich: Yan Zi = Schwalbe, Chao Shui = schnell übers Wasser fliegen) Häufig kann man Schwalben in schnellem Flug übers Wasser schießen sehen. Bezeichnend ist hierbei der leicht abfallende Anflugwinkel, dem ein steileres Aufsteigen folgt. Dabei nimmt die Schwalbe mit geöffnetem Schnabel Wasser auf oder sie fängt kleine Insekten, die besonders bei niederem Luftdruck dicht über der Wasseroberfläche schwirren. Die Beobachtung dieser charakteristischen Flugkurve gab der Stellung ihren Namen. Da Schwalben im Flug Wasser aufnehmen und weil Chao im heutigen Chinesisch auch die Bedeutung "mitnehmen, mit etwas auf und davon gehen" hat, liest man als Bezeichnugn dieser Stellung auch häufig "Die Schwalbe nimmt Wasser auf". In diesem Teil der Taiji-Schwert-Bewegungsfolge wird die Schwertspitze mit einer Schwalbe verglichen. Sie muß daher so geführt werden, daß sie in ihrer Bewegung gleichsam den Flug der Schwalbe übers Wasser nachahmt. Daher verlangten die alten Schwert-Meister von ihren Schülern nachdrücklich, die Aufmerksamkeit (Yi) auf die Schwertspitze zu lenken. Auch bei den Stellungen 8 Die Schwalbe kehrt ins Nest zurück und 33 Die Schwalbe trägt Lehm in ihrem Schnabel wird immer eine Technik angewandt, bei der die Spitze des Schwertes (die Schwalbe) zum Einsatz kommt.

6. Ablenken und Wegfegen, links, rechts Zuo You Lan Sao (wörtlich: Zuo = links, You = rechts, Lan = ablenken, aufhalten, sich jemandem in den Weg stellen, blockieren, Sao = wegfegen, kehren) Bei den Schriftzeichen Lan und Sao handelt es sich um Fachbegriffe aus den chinesischen Kampfkünsten. Lan - eine Verteidigungstechnik - bedeutet das gegnerische Schwert abzulenken, und Sao - als angreifende Technik - wird so ausgeführt, daß man dem Gegner durch eine wegfegende Bewegung mit der Schneide des Schwertes verletzt. Verteidigung und Angriff werden also in einem einzigen Schwung des Schwertes ausgeführt, und zwar einmal nach rechts und anschließend nach links . Die Aufmerksamkeit (Yi) ist hierbei auf die Schneide gerichtet.

7. Die vier Trapezsterne des Großen Bären - klein Xiao Kui Xing (wörtlich: Xiao = klein, Kui Xing = die vier Trapezsterne des Großen Bären) Der Name dieser Stellung ist von der Stellung 4 Die vier Trapezsterne des Großen Bären (wörtlich: Kui Xing-Stellung) abgeleitet. Das Schriftzeichen Xiao soll lediglich zum Ausdruck bringen, daß die Bewegung insgesamt kleiner ausgeführt wird, man könnte also auch sagen Die vier Trapezsterne des Großen Bären - klein ausgeführt. Die Herkunft dieses Namens hat jedenfalls keinerlei Bezug zum Sternbild "Kleiner Bär".

8. Die Schwalbe kehrt ins Nest zurück Yan Zi Ru Chao (Yan Zi = Schwalbe, Ru = eintreten, hineingehen, Chao = Nest) Will eine Schwalbe in ihr Nest schlüpfen, so fliegt sie niemals in gerader Linie dorthin. Vielmehr ist im Anflug eine besondere Kehrtwendung zu beobachten, mit der sie die Rückkehr in ihr Nest einleitet. Auch in der Taiji-Schwert-Form kommt es im Anschluß an Stellung 7 zu einer plötzlichen Kehrtwendung, bei der die Schwertspitze einen dem oben beschriebenen Schwalbenflug ähnlichen Kreisbogen beschreibt. Auch hierbei muß die Aufmerksamkeit (Yi) auf die Schwertspitze gelenkt sein.

9. Die flinke Katze stürzt sich auf eine Maus Ling Mao Pu Shu (wörtlich: Ling = flink, gewandt, geschickt, gewitzt, Mao = Katze, Pu = sich auf etwas stürzen, Shu = Maus) Die für eine Katze typische Angriffstechnik, bei der sie sich in einem plötzlichen Sprung auf die Maus stürzt, gab dieser Stellung ihren Namen. Wer einmal eine Katze dabei beobachten konnte, weiß genau, was damit gemeint ist. Der Übende wendet mit dem Sprung nach vorne die Technik Ci (Stechen) an, wobei die Aufmerksamkeit (Yi) zur Schwertspitze gelenkt wird.

10. Feng-Huang erhebt den Kopf Feng Huang Tai Tou (wörtlich: Feng Huang = Feng-Huang, oft - nicht ganz korrekt - als Phoenix bezeichnet, Tai = heben, hochheben, Tou = Kopf) In der chinesischen Welt der Symbole ist der Vogel Feng-Huang die Königin der gefiederten Tiere. Er zählt neben dem Drachen, dem Einhorn und der Riesenschildkröte zu den vier Wundertieren der chinesischen Mythologie. Der Feng-Huang erscheint nur, wenn Friede und Eintracht im Lande herrschen, und so gilt er als gutes Omen und symbolisiert Frieden, Glück und wahre Liebe. Alte Werke der klassischen chinesischen Kunst, in denen er häufig als Symbol der Kaiserin erscheint, lassen die ehrwürdige Bewunderung erahnen, die man ihm entgegenbrachte. Die Anmut seiner wunderschönen Bewegungen soll mit diesem Namen zum Ausdruck gebracht werden. Ebenso verhält es sich bei den Stellungen 12, 14, 40 und 50 zu.

11. Die Wespe fliegt in ihre Höhle Huang Feng Ru Dong (wörtlich: Huang Feng = Wespe, Ru = eintreten, hineingehen, Dong = Loch, Höhle) Die Wespe, die zu ihrem Nest zurückkehrt, fliegt meist nicht auf geradem Weg dorthin, sondern umkreist ein- oder mehrmals den Baum und schlüpft dann in ihr Loch. In ähnlicher Weise wird auch die Bewegung in der Schwertform ausgeführt. Dabei ist die Aufmerksamkeit (Yi) während des Kreisens auf die äußere Schneide und dann - die Wespe fliegt ins Loch - auf die Schwertspitze gerichtet.

12. Feng-Huang breitet seine Flügel aus - Feng Huang Zhan Chi (wörtlich: Feng Huang = Feng-Huang, Zhan Chi = die Flügel ausbreiten) Siehe Erläuterung zu Stellung 10 Feng-Huang erhebt den Kopf.

13. Die vier Trapezsterne des Großen Bären - klein Xiao Kui Xing (wörtlich: Xiao = klein, Kui Xing = die vier Trapezsterne des großen Bären) Siehe Erläuterung zu Stellung 7 Die vier Trapezsterne des Großen Bären - klein.

14. Feng-Huang breitet den rechten Flügel aus Feng Huang You Zhan Chi (wörtlich: Feng Huang = Feng-Huang, You = rechts, Zhan Chi = die Flügel ausbreiten) Siehe Erläuterung zu Stellung 10 Feng-Huang erhebt den Kopf.

15. Angeln - Diao Yu Shi (wörtlich: Diao Yu = angeln, Shi = Stellung) Der Angler am Ufer, der seine Rute ins Wasser hält, diente als Vorbild für die Namensgebung dieser Stellung. Das Umgedrehte Schwert führt in diesem Abschnitt der Form die Technik Pi (Spalten) aus.

16. Der Drache bewegt sich vorwärts - Long Xing Shi (wörtlich: Long = Drache, Xing = sich fortbewegen, gehen, = Shi = Stellung) Der Drache ist wohl das bekannteste chinesische Symbol und taucht ebenso häufig wie der Vogel Feng-Huang in alten chinesischen Kunstwerken und Geschichten auf. Er ist König der Tiere des Wassers und gilt als gutartiges Geschöpf, das Wohlstand, Glück und Fruchtbarkeit bringt. Früher verkörperte der Drache Herrschertugenden: er war das Symbol des Kaisers, heute sieht man ihn als Sinnbild Chinas und des chinesischen Volkes. Die Bewegung des Schwertes mit der Technik Jie (Abfangen) erinnert an die nach rechts und links schlängelnde Fortbewegungsweise, wie man sie sich bei einem Drachen vorstellte. Andere Bewegungsweisen, von denen man glaubte, sie seien für den Drachen typisch, werden in den Stellungen 19, 20, 40 und 50 beschrieben.

17. Den Mond vor der Brust umfassen - Huai Zhong Bao Yue (wörtlich: Huai = Brust, Zhong =???, Bao = mit den Armen umfassen, Yue = Mond) Auch in dieser Stellung wird das Schwert wieder als Mond bezeichnet. Es wird so vor die Mitte der Brust gebracht als würde man die verkleinerte Kugel des Mondes mit einem Umhang vor der Brust einhüllen. Die hier zur Anwendung gelangende Technik ist..siehe Form ???

18. Der Vogel fliegt in den Wald um zu schlafen - Su Niao Tou Lin (wörtlich: Su = übernachten, Niao = Vogel, Tou = aufsuchen, betreten, Lin = Wald, Gehölz) Der Schlafplatz vieler Vögel sind die hohen Äste großer Bäume. Und ebenso wie der Vogel den Wald aufsucht, um dort zu übernachten, wird das Schwert auf einer von unten nach hoch oben aufsteigenden Linie geführt; die hierbei angewandte Technik ist Ci (Stechen) mit der Aufmerksamkeit (Yi) auf der Schwertspitze.

19. Der schwarze Drache schlägt mit dem Schwanz - Wu Long Bai Wei (wörtlich: Wu = schwarz, Long = Drache, Bai = hin und her bewegen, schwingen, Wei = Schwanz) Siehe Erläuterung zu Stellung 16 Der Drache bewegt sich vorwärts

20. Der grüne Drache steigt aus dem Wasser - Qing Long Chu Shui (wörtlich: Qing = grün, blau, Long = Drache, Chu = herauskommen, Shui = Wasser) Siehe Erläuterung zu Stellung 16 Der Drache bewegt sich vorwärts

21. Der Wind wirbelt die Lotosblätter auf - Feng Juan He Ye (wörtlich: Feng = Wind, Juan = aufwirbeln, He = Lotos, Ye = Blatt) Im Zusammenhang mit dem in China fein ausgeprägten Sinn für Symbole nimmt der Lotos unter den Pflanzen eine besondere Stellung ein. Er ist das Sinnbild der Liebe und der Fruchtbarkeit. Hier wird die durch den Wind hervorgerufene Bewegung der Lotosblätter auf dem Wasser beschrieben, die in der kreisförmigen Bewegung des Schwertes nachempfunden wird, bei der die Technik Mo (Streichen) zum Einsatz kommt.

22. Der Löwe schüttelt den Kopf, links, rechts - Zuo You Shi Zi Yao Tou (wörtlich: Zuo = links, You = rechts, Shi Zi = Löwe, Yao Tou = den Kopf schütteln) Bei chinesischen Volksfesten, besonders beim Frühlingsfest - dem chinesischen Neujahr -, werden neben anderen Veranstaltungen auch der Löwentanz vorgeführt. Der Löwe ist das Symbol von Macht und Tapferkeit. Die Löwenmasken sind so groß, daß sie von mehreren Männern bewegt werden müssen. Das in diesem Tanz häufig vorkommende Schütteln der Mähne gab dieser Taiji-Schwert-Stellung ihren Namen.

23. Der Tiger legt den Kopf zwischen die Pranken - Hu Bao Tou (wörtlich: Hu = Tiger, Bao = in die Arme nehmen, Tou = Kopf) Bevor der Tiger, der sich an seine Beute herangeschlichen hat, zum Angriff übergeht, mobilisiert er die zum Sprung benötigte Energie, indem er sich noch tiefer nach unten duckt. Der Kopf kommt dabei zwischen die vorderen Pranken, die gestreckt sind und fast den Boden berühren. Die Hinterpfoten sind gebeugt und haben wie zusammengedrückte Sprungfedern die Sprungenergie gespeichert. Als Vorbereitung zum Angriffssprung pirscht sich der Tiger in geduckter Körperhaltung an seine Beute heran. Bevor er sich auf sein Opfer stürzt, legt er die Vorderpfoten auf den Boden und den Kopf zwischen die Pranken und sammelt so die Energie für den Sprung.

24. Das Wildpferd springt über den Bergbach - Ye Ma Tiao Jian (wörtlich: Ye Ma = Wildpferd, Tiao = springen, Jian = Bergbach, Klamm) Während zur Vorbereitung des Sprunges das Bild des Tigers Pate stand, wurde der Sprungan sich mit der Vorstellung eines springenden Pferdes in Zusammenhang gebracht. Wie bei Stellung 9. Die flinke Katze stürzt sich auf eine Maus, wird auch hier die Technik Ci (Stechen) angewandt, jedoch bleiben beide Hände am Schwert.

25. Sich umdrehen, das Pferd zügeln - Hui Shen Le Ma Shi (wörtlich: Hui = drehen, Shen = Körper, Le Ma = ein Pferd zügeln, im Zaum halten, Shi = Stellung) Die Aufmerksamkeit (Yi) ist auf das vordere Viertel der inneren Schneide des Yang-Schwertes gerichtet.

26. Schritt vorwärts und nach Süden weisen - Shang Bu Zhi Nan (wörtlich: Shang = vorwärts, nach vorne, Bu = Schritt, Zhi = zeigen, weisen; Nan = Süden)

27. Gegen den Wind den Staub abschütteln, links, rechts - Zuo You Ying Feng Dan Chen (wörtlich: Zuo = links, You = rechts, Ying Feng = gegen den Wind, Dan = abklopfen, abschütteln, Chen = Staub) Gegen den Wind bedeutet gegen den Gegner (Feind). Dan Chen bedeutet mit dem Staubwedel wischen. Im alten China wurden z.B. die Tische in den Gasthäusern mit einem Staubwedel gesäubert, bevor sich die Gäste niedersetzten. Dieser nach rechts und links ausgeführten Bewegung mit dem Staubwedel ist das Führen des Schwertes mit der Technik Mo (Streichen) nachempfunden.

28. Den Kahn stromabwärts schieben - Shun Shui Tui Zhou (wörtlich: Shun = in derselben Richtung, Shui = Wasser, Shun Shui = stromabwärts, Tui = schieben, Zhou = Boot, Kahn) Um einen an Land gezogenen Kahn wieder vom Ufer ins Wasser zu schieben, bedarf es einiger Kraft. Die Beobachtung, daß durch ein Vorüberbeugen des Rumpfes das Entgegenstemmen erleichert wird, war beim Benennen dieser Stellung maßgebend. Denn die Schwertklinge wird in ähnlicher Weise nach vorne bewegt, um den Gegner mit der Technik Ci (Stechen) zurückzudrängen,

29. Die Sternschnuppe holt den Mond ein - Liu Xing Gan Yue (wörtlich: Liu Xing = Sternschnuppe, Gan = einholen (S. 263), Yue = Mond) Auch der Name dieser Stellung ist von Beobachtungen am nächtlichen Himmel abgeleitet: eine Sternschnuppe entsteht im Weltall und wird beim Eintritt in die nähere Umgebung der Erde sichtbar. Hin und wieder kann man den Eindruck gewinnen, daß sie dem Mond verfolgt und diesen einholt. Liu Xing Gan Yue ist in China ein feststehender Ausdruck und bedeutet, sich schnell bewegen. In der Taiji-Schwert-Form kommt hierbei die Technik Pi (Spalten) zum Einsatz.

30. Das himmlische Roß galoppiert durch die Lüfte - Tian Ma Xing Kong (wörtlich: Tian = Himmel, Ma = Pferd Xing = sich fortbewegen, gehen, Kong = leerer Raum z.B. des Himmels) Der Ausdruck Das himmlische Roß galoppiert durch die Lüfte ist eine altchinesische Redewendung aus der Han-Dynastie und bezeichnet (in der Kunst ?) einen kraftvollen und natürlichen Stil. Damals kamen die besten Pferde aus den Westgebieten Chinas ..... Das himmlische Roß kommt aus diesem Gebiet. Die Technik ist Dian (Picken).

31. Den Vorhang hochheben - Tiao Lian Shi (wörtlich: Tiao = etwas mit einem Stock oder einer Stange hochheben, Lian = Gardine, Vorhang, Shi = Stellung) Im alten China hatten fast alle Häuser Bambusvorhänge vor den Fenstern. Um sie hochzuheben, bediente man sich eines kleinen Stockes. Diese Tätigkeit bezeichnete man Tiao. Dieser Begriff wurde auch zur Bezeichnung der sechsten der Dreizehn Techniken verwendet.

32. Das Wagenrad, links, rechts - Zuo You Che Lun (wörtlich: Zuo = links, You = rechts, Che = Wagen, Lun = Rad) Die runde, nach vorne verlaufenden Bewegungen des Schwertes, das die Techniken Gua (Hängen) und Pi (Spalten) ausführt, erinnerten an das Drehen eines Wagenrades.

33. Die Schwalbe trägt Lehm in ihrem Schnabel - Yan Zi Xian Ni (wörtlich: Yan Zi = Schwalbe, Xian = etwas im Mund halten, Ni = Lehm) Ähnlich wie die Schwalbe den zum Nestbau benötigten Lehm vom Boden auspickt, wird mit der Schwertspitze, wohin die Aufmerksamkeit (Yi) gerichtet ist, die Technik Dian (Picken) ausgeführt.

34. Der große Rok breitet seine Flügel aus - Da Peng Zhan Chi (wörtlich: Da = groß, Peng = Rok, Zhan Chi = die Flügel ausbreiten) Der Vogel Rok stammt aus einer über zweitausend Jahre alten Fabel des Zhuangzi (alte Umschrift: Chuangtse). Zuerst gab es den sagenhaften riesigen Fisch Kun, der sich dann in den Vogel Rok verwandete.

35. Den Mond vom Meeresgrund heraufholen - Hai Di Lao Yue (wörtlich: Hai = Meer, Di = Boden, Grund, Lao = aus dem Wasser holen, Yue = Mond) Der Satz Hai Di Lao Yue ist eine allgemein übliche Redewendung, die darauf hindeutet, daß man etwas unerreichbares anstrebt, etwas vergeblich versucht: "Was du tust, ist umsonst". Darüberhinaus ist Hai Di Lao Yue aber auch ein feststehender Begriff in den chinesischen Kampfkünsten und beschreibt die Ausführung der Technik: "Nach oben zeigen (=vortäuschen), nach unten schlagen", das heißt den Gegner mit der Schneide unten verletzen. Wie in den Stellungen 3, 17 und 36 wird das Schwert auch hier als Mond bezeichnet. ?????

36. Den Mond vor der Brust umfassen - Huai Zhong Bao Yue (wörtlich: Huai = Brust, Zhong =, Bao = mit den Armen umfassen, Yue = Mond) Siehe Erläuterung zu Stellung 17 Den Mond vor der Brust umfassen

37. Den Meeresboden untersuchen - Tan Hai Shi (wörtlich: Tan = sondieren, auskundschaften, Hai = Meer, Shi = Stellung) Die Herkunft dieses Namen steht mit einer alten chinesischen Geschichte in Verbindung in der ein kleines Kind mit Namen Nazha einen Drachen sucht, um mit ihm zu kämpfen. Der Drache hat sich am Meeresboden versteckt. Und ebenso wie das Kind vorsichtig ins Meer herabsteigt und den Meeresboden erkundet, sticht das Schwert mit der Technik Ci (Stechen) nach unten.

38. Das Nashorn blickt in den Mond - Xi Niu Wang Yue (wörtlich: Xi Niu = Nashorn, Wang = blicken, Yue = Mond) Diese Bezeichnung ist auch in anderen chinesischen Kampfkünsten bekannt und bezeichnet....

39. Die Wildgans schießen - She Yan Shi (wörtlich: She = schießen, Yan = Wildgans, Shi = Stellung) Das Schriftzeichen She = schießen wird mit der Anwedung eines Pfeiles und Bogens in Verbindung gebracht. Mit der linken Hand wird als erstes die Technik La (Ziehen) angewandt, mit der rechten Hand zeigt man nach vorne. Als zweite Technik kommt Pi (Spalten) zum Einsatz.

40. Der grüne Drache zeigt die Klauen - Qing Long Xian Zhan (wörtlich: Qing = grün, blau, Long = Drache, Xian = zeigen, Zhao = Klaue) Siehe Erläuterung zu Stellung 16 Der Drache bewegt sich vorwärts

41. Feng-Huang breitet seine Flügel aus - Feng Huang Zhan Chi (wörtlich: Feng Huang = Feng-Huang, Zhan Chi = die Flügel ausbreiten) Siehe Erläuterung zu Stellung 10 Feng-Huang erhebt den Kopf.

42. Schritt nach vorne und Ablenken, links, rechts - Zou You Kua Lan (wörtlich: Zuo = links, You = rechts, Kua = Fuß vorsetzen, Schritt nach vorne machen, Lan = ablenken, aufhalten, sich jemandem in den Weg stellen, blockieren) Kua Lan ist ein allgemein üblicher Fachbegriff aus den chinesischen Kampfkünsten.

43. Die Wildgans schießen - She Yan Shi (wörtlich: She = schießen, Yan = Wildgans, Shi = Stellung) Siehe Erläuterung zu Stellung 39 Die Wildgans schießen

44. Der weiße Affe bietet Früchte dar - Bai Yuan Xian Guo (wörtlich: Bai = weiß, Yuan = Affe, Xian = darbieten, Guo = Frucht, Obst) Die in einer Affenhorde rangniederen Tiere bietet dem "Affenkönig" zur Beschwichtigung hin und wieder Früchte oder ähnliches an. In ähnlicher Weise wie der Affe die Hände ausstreckt werden in der Taiji-Schwertform die Hände vorgestreckt, um die Technik Ci (Stechen) auszuführen.

45. Die Blüten fallen herab, links, rechts - Zuo You Luo Hua Shi (wörtlich: Zuo = links, You = rechts, Luo = (herab-)fallen, Hua = Blume, Blüte, Shi = Stellung) So wie die Blütenblätter im Wind herabfallen, so sanft soll das Schwert in fließender Bewegung nach unten geführt werden.

46. Schöne Frau am Webstuhl - Yu Nü Chuan Suo (wörtlich: Yu = Jade, (von Personen, besonders Frauen) schön, stattlich, Nü = Frau, Chuan Suo = das Webschiffchen hin- und herbewegen)

47. Der weiße Tiger bewegt den Schwanz hin und her - Bai Hu Jiao Wei (wörtlich: Bai = weiß, Hu = Tiger, Jiao = umrühren, Wei = Schwanz) Vor über 1000 Jahren in der Sung-Dynastie gab es einen Roman, der nach dem chinesischen Ort Shui Hu benannt war. In diesem Ort lebten 108 Helden, von den einer - mit Namen Wu Song - einen weißen Tiger erlegt hatte. In ähnlicher Weise wie in unserem Sprachraum die Wendung "Spieglein, Spieglein an der Wand..." die Szene aus dem Märchen Schneewittchen wachruft, so wird in China der "weiße Tiger" sofort mit der Geschichte des Helden Wu Song assoziiert.

48. Der Tiger legt den Kopf zwischen die Pranken - Hu Bao Tou (wörtlich: Hu = Tiger, Bao = in die Arme nehmen, Tou = Kopf) Siehe Erläuterung zu Stellung 23 Der Tiger legt den Kopf zwischen die Pranken

49. Der Fisch springt durch das Drachentor - Yu Tiao Long Men (wörtlich: Yu = Fisch, Tiao = springen, hüpfen, Long = Drache, Men = Tor) Auch dieser Name geht auf eine Legende zurück, in der der Flußkarpfen Li Yu im Gelben Fluß, über eine das Drachentor genannte Schleuse strömaufwärts springt.

50. Der schwarze Drache windet sich um die Säule - Wu Long Jiao Zhu (wörtlich: Wu = schwarz, Long = Drache, Jiao = winden, Zhu = Pfeiler, Säule) Die altchinesische Architektur stattete viele Bauwerke mit reichverzierten Säulen aus. Häufig stellten die Schnitzereien Drachen dar, die sich um diese Säulen wanden. In der Schwert-Form stellt der Körper des Übenden die Säule dar, um die sich der Drache (das Schwert) windet. Dabei führt man mit der Schwertspitze einen Kreisbogen nach unten aus und setzt die Technik Ci (Stechen) ein.

51. Der Unsterbliche weist den Weg - Xian Ren Zhi Lu (wörtlich: Xian Ren = Unsterblicher, Zhi = zeigen, weisen, Lu = Weg, Straße) Im alten China gab es unzählige Statuen, die einen sogenannten Unsterblichen darstellten, der mit ausgestrecktem Arm in eine Richtung wies. Hierin ist die Verbindung zum Namen dieser Stellung zu sehen: das Schwert sticht mit der Technik Ci (Stechen) nach vorne.

52. Einen Weihrauchstab zum Himmel empor halten - Chao Tian Yi Zhu Xiang (wörtlich: Chao = in Richtung, nach... hin, Tian = Himmel, Yi = eins, Zhu = Pfeiler, Säule, Xiang = wohlriechend, Zhu Xiang = Räucherstäbchen, Weihrauchstab) Im den religiösen Ritualen des Buddhismus halten die Mönche häufig ein Räucherstäbchen in den gefalteten Händen.

53. Der Wind fegt die Pflaumenblüten hinweg - Feng Sao Mei Hua (wörtlich: Feng = Wind, Sao = wegfegen, kehren, Mei = chinesische Essigpflaume, Hua = Blume, Blüte) Der Herbstwind...

54. Der Tiger legt den Kopf zwischen die Pranken - Hu Bao Tou (wörtlich: Hu = Tiger, Bao = in die Arme nehmen, Tou = Kopf) Siehe Erläuterung zu Stellung 23 Der Tiger legt den Kopf zwischen die Pranken

55. Das Notiztäfelchen vor der Brust halten - Bao Hu Shi (wörtlich: Bao = in den Armen halten, Hu = Notiztäfelchen, Shi = Stellung) Hu, ein Notiztäfelchen aus Jade, Elfenbein oder Bambus, wurde im alten China von hohen Beamten bei kaiserlichen Audienzen als Gedächtnisstütze respektvoll vor der Brust gehalten . In der gleichen Weise hält man in dieser Stellung das Schwert vor der Brust.

56. Taiji schließen - He Tai Ji (wörtlich: He = schließen, Tai = groß, Ji = Extrem, äußerstes Ende) Von der Bewegung zwischen yin und yang (das heißt zwischen den beiden "Großen Extremen" = Taiji) kehren wir in den Zustand zurück, in dem keine Bewegung mehr stattfindet. Die beiden Extreme haben sich in die Undifferenziertheit des Wuji (Wu = kein, nichts) zurückgezogen: hier gibt es keine Extreme mehr. Das Symbol des Wuji ist folglich ein leerer Kreis.