Fit für das Leben

Jumin Chen

Qigong ist eine alte chinesische Selbstheilmethode zur Harmonisierung jener Energie, die all unseren physischen und psychischen Funktionen zu Grunde liegt. Mit Bewegungs- und meditativen Übungsformen lernt man, das körpereigenen Energiefeld zu harmonisieren und dadurch die innere Ordnung im Körper zu regulieren.

In meiner fast 30-jährigen Qigong-Praxis haben mich Schü1er oft gefragt: Was ist eigentlich Qigong? Diese Frage zu beantworten ist nicht leicht, doch möchte ich Ihnen hier einige Deutungen anbieten:

Manche sagen: Qigong ist die Meditation in einigen östlichen Religionen, mit der man das jeweilige Religionsziel anstreben kann.

Andere sagen: Bei Qigong handelt es sich um eine Methode, die uns hilft, ein langes Leben ohne Krankheiten zu führen und sogar die Unsterblichkeit anzustreben.

Eine andere Deutung: Bei Qigong handelt es sich um eine Fähigkeit, die man sich mit Mühe aneignen muss, um sich bei Gefahr verteidigen zu können. Andere sagen: Qigong ist eine Wissenschaft der Heiltechnik. Noch eine Erklärung lautet: Mit Qigong wird die Festigung des menschlichen Charakters angestrebt, und es kann eine Rolle spielen, um situationsgerechtes Verhalten zu lernen und harmonische zwischenmenschliche Beziehungen zu schaffen.

Vorbeugen und Heilung unterstützen

Qigong ist schwer zu definieren, weil sich im Verlaufe von einigen Tausend Jahren fünf Hauptrichtungen entwickelt haben: das buddhistische Qigong, das daoistische Qi gong, das Kampf-Qigong, das medizinische Qigong und das konfuzianische Qigong, was die oben gegebenen unterschiedlichen Deutungen erklärt.

Das medizinische Qigong hat als Grundlage die Theorie der traditionellen Chinesischen Medizin und ist deren Essenz. Qigong ist ein Mittel, um Krankheiten vorzubeugen und den Heilungsprozess zu unterstützen.

Das daoistische Qigong bezieht sich auf die daoistische Philosophie. Diese Theorie besagt, dass der Mensch mit der Natur eins ist und zur Harmonie mit der. Natur finden sollte.

Kampfkunst-Qigong wiederum leitet sich aus einer Mischung von Kampfkünsten und Qigong ab und hat sich mit zwei Schwerpunkten entwickelt: Gesundheitserhaltung in Verbindung mit Kampftechnik. Tai Chi, in Europa seit langem als Schattenboxen bekannt, legt großen Wert auf die Verbesserung der Körperstruktur, der Reflexe und Reaktionsgeschwindigkeit. Das Training des Kampfkunst-Qigong hilft dadurch auch, Sportunfall zu vermeiden und beschleunigt den Heilungsprozess, falls es doch einmal zu einem Unfall gekommen ist.

Das buddhistische Qigong ging ursprünglich, aus dem Zen Buddhismus hervor mit dem Ziel, Erleuchtung zu erlangen. Das konfuzianische Qigong gilt mehr als eine Geisteshaltung und wird praktiziert, um Güte, Aufrichtigkeit, Respekt und andere Tugenden zu kultivieren. Diese im Verlaufe der Geschichte des Qigong entwickelte Spezialisierung auf einen gezielten Zweck hat sich jedoch mittlerweile langsam verloren. Das heute weltweit hauptsächlich praktizierte Qigong ist eine Verschmelzung aller oben angesprochenen fünf Richtungen und im Sinne des starken Gesundheitsbewusstseins und der Wiederentdeckung sinnhafte Ideale. In der ansonsten materialistisch orientierten Welt wird Qigong jetzt hauptsächlich trainiert, um für die Herausforderungen des Lebens fit zu werden beziehungsweise zu bleiben.

Die äußerst positiven Erfahrungen derjenigen, die Qigong fleißig üben, haben zu einem weltweiten Boom dieser ganzheitlichen, Geist und Körper verbindenden Trainingsmethode geführt. Die Qigong-Übungen sind nicht nur körperliches Training, sondern sie fördrn auch auf geistiger Ebene und führen so zum ersehnten Ziel der Einheit von Körper und Geist.

Qigong wird heute oft mit „Breathing-exercises“ übersetzt. Das Qi Zeichen hat viel mehr Bedeutung als Atmen zum Beispiel „Grundelement des Universums und „Lebensenergie“ -

Qi als belebende Kraft durch strömt alle Lebewesen. Gong“ ist der chinesische Begriff für Arbeit“. Deshalb können wir direkt übersetzen: Qigong ist Arbeit mit Lebensenergie. Natürlich bedeutet Qigong mehr als Arbeit mit Energie“. Qigong ist eine traditionelle chinesische Kunst der Körperkultur und seit altersher sehr populär.

Wie wertvoll Qigong für die Erhaltung der Gesundheit und für die Vorbeugung von Krankheiten ist, hat die jahrhundertelange Praxis gezeigt. Inzwischen ist es Teil der Körpertherapie in der klinischen Praxis in China. China war eines der ersten Länder, in denen Körperübungen in Therapie und Gesundheitsvorsorge eingesetzt wurden. Die Qigong-Techniken lassen sich in zwei Hauptkategorien unterteilen: Bewegungsübung und Meditative Übung.

Geeignet für jedes Alter

Bewegungsübung besteht aus sichtbaren Bewegungen. Der Körper bewegt sich wie in einem langsamen Tanz. Die Übung in Bewegung ist die populärste. In China sieht man oft, dass Tausende von Menschen bei Tagesanbruch in einem Park Qigong üben, um Energie zu tanken. Bei den meditativen Übungen ist der ganze Körper regungslos. Die Energie wird durch geistige Konzentration, Visualisierung und präzise Atemtechniken kontrolliert. Qigong ist für jedes Alter und jeden Gesundheitszustand geeignet. Man kann in verschiedenen Positionen üben wie im Stehen, Sitzen, Liegen und sogar im Gehen.