Reisebericht in Peking 2006 - Lex Reinhart
NING MUI Studienreise
in die Olympiastadt
Die von der NING MUI Gong Fu Organisation auf dem Internet öffentlich ausgeschriebene diesjährige Studienreise vom 12. bis 26. April 2006 versprach direkten Einlass zur Essenz des Wushu. Sie beinhaltete eine Woche professionelles Yiquan Training unter der Leitung von Meister Yao Chengrong am Zongyi Yiquan Institut in der kommenden Olympiastadt Beijing.
Die Faust des Geistes
Das Yiquan, früher auch einmal Dachengquan genannt, ist fester Bestandteil der NING MUI Gong Fu Organisation. Der Chinese Wang Xiangzhai (1885 - 1963) entwickelte es im Hinblick darauf, dass es die Essenz anderer Kampfkünste in einer einfachen Form vereinigen sollte. Dem Geist wird im Yiquan, eben der ‚Geistfaust’, sowohl im Training, wie auch in der Anwendung grosse Bedeutung beigemessen. Am meisten fördert es wohl die Festigung der Körperstruktur, die darauf aufbauende innere Kraft und ein Verständnis für die verschiedenen Kräfte, welche im Wushu zur Anwendung kommen können.
Yao Chengrong ist einer der beiden Söhne Yao Zongxun’s (1917-1985), dem Nachfolger des Stilbegründers Wang Xiangzhai, und Mitglied der Chinese Wushu Association. Er lernte diese Kampfkunst von klein auf und ist heute sowohl für die vorbehaltslose Weitergabe seines Wissens, als auch für seine klare Unterrichtsstruktur und seine Realitätsbezogenheit bekannt. Er wird in Europa vertreten durch Herrn Chen Jumin, Leiter der Europäischen Yiquan Akademie im österreichischen Salzburg. Dieser organisiert regelmässig Yiquankurse in Winterthur. Diverse NING MUI Schulleiter bildeten sich dort weiter, allen voran Daniel Hulliger und swisswushu Chefschiedsrichter Patrick Jeannotat. Ihr Einsatz zog ein Empfehlungsschreiben der Europäischen Akademie an das Zongyi Yiquan Institut von Herrn Yao Chengrong nach sich, worauf die Studienreise nach Beijing organisiert wurde. Hauptinitiator Daniel Hulliger erhielt für deren aufwendige Organisation volle Unterstützung von Lex Reinhart, dem Leiter der NING MUI Gong Fu Organisation, und den genannten Schulleiterkollegen.
Gruppenfotos
Unter der Instruktion von Herrn Yao
Neunzehn Mitglieder der verschiedenen NING MUI Schulen, sowohl aus dem In- wie dem Ausland, und zwei Personen aus anderen Schulen reisten am 12. April von Zürich über Amsterdam und von Lyon via Paris nach Beijing.
Aus den ausgeschriebenen sechs Tagen à fünf bis sechs Stunden Training wurde ein viel stattlicheres Übungspensum. Bereits beim ersten Treffen mit Herrn Yao wurde die Gruppe eingeladen, noch am Ankunftstag an seiner regulären Abendklasse am Institut teilzunehmen. Dies war nach dem ersten gelungenen Zusammentreffen mit den chinesischen Praktikanten, zur Freude aller, bis zur Abreise an jedem weiteren öffentlichen Training der Fall. Unter der erstklassigen Anleitung von Meister Yao wurden, mittels exemplarischer Übungen, alle Yiquan Trainingsbereiche anschaulich dargelegt und aufbauend durchgearbeitet. Die Theorie wurde ausführlich erklärt und Fragen freimütig beantwortet, wofür auch dem anwesenden Übersetzer zu danken ist, der ausgezeichnete Arbeit leistete. Unermüdlich demonstrierte Meister Yao einzelne Bewegungen, um Aspekte unmissverständlich zu machen, korrigierte oder übte mit einem und machte sein Wushu greif- und fühlbar. Die Ausschreibung hatte nicht zuviel versprochen! Herr Yao’s Offenheit und Herzlichkeit waren überwältigend, und es kam zu einigen unvergesslichen Momenten, auch während dem einen oder anderen gemeinsamen Essen. Weitere Höhepunkte gegen Ende bildeten die spontane Verleihung seitens Herrn Yao von Instruktordiplomen an die anwesenden Organisations- und Schulleiter Lex Reinhart und Daniel Hulliger (Advanced), Patrick Jeannotat (Intermediate), Oliver Hasler, Jacqueline Arnold und Cristina Sokol (Primary), sowie die Erlaubnis, ein zweistündiges Interview mit ihm zu führen, welches in Kürze veröffentlicht wird.
Die Stadt
Die geschichtsträchtige Hauptstadt und ihre Umgebung taten an den wenigen trainingsfreien Stunden das Übrige zur Stimmigkeit dieser Studienreise. Als Olympiastadt 2008 erhält Beijing ein neues Gesicht. Vielerorts wird grossflächig abgerissen, um Platz zu schaffen für neue Strassen, Gebäude und unzählige bepflanzte Anlagen. Trotz der Moderne, die in atemberaubendem Tempo Einzug hält, werden im Zentrum auch einige der alten Quartiere und ihre typischen niedrigen Backsteinhäuser erhalten und renoviert. In der Wohngegend der Reisegruppe, in der Nähe der Seen Xihai, Honhai und Quibai, herrschte immer noch die einladende Kleinstadtatmosphäre dieser alten Bezirke, inklusive etlicher Strassenküchen und Lokale für köstlichste Verpflegung, kleinen Tempeln und Märkten, Instituten für tüchtige Massagen und modischste Haarschnitte, sowie den noch immer beliebten Fahrrädern und Mopeds. Vorverkaufsstellen und Plakate stimmen bereits ein auf die Olympischen Spiele in zwei Jahren. Auch die Verbotene Stadt wird zu diesem Anlass in neuem Glanz erstrahlen. Dass aber nicht nur die Stadt, sondern auch das Wushu, dank herausragenden Persönlichkeiten wie Yao Chengrong, ungemein und vielversprechend in Bewegung ist, hat wohl alle an dieser Studienreise Beteiligten am meisten bewegt. Die Reiseteilnehmer sprechen hiermit noch einmal allen ihren Dank aus, welche diese erlebnisreichen Wochen möglich machten.
Verfasserin
NING MUI Gong Fu Organisation – Cristina M. Sokol
Telefon +33 6/ 74 01 40 06
E-Mail info@ningmui.com, Internet www.ningmui.com
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© NING MUI – Lex Reinhart
Lebenslauf - Lex Reinhart
Lex Reinhart ist Experte der Kampfkünste des Yongchunquan, Yiquan und diverser Waffen. Er lebte und studierte bei verschiedenen Lehrern, davon über drei Jahre in den Vereinigten Staaten, Asien und Australien. Seine Tätigkeit teilt sich in drei Hauptbereiche auf: Er begründete in der Ardèche, Frankreich das NING MUI Monastery 五梅寺 als Ort für Kampfkunst, ist regelmässig international als Gastdozent tätig und veranstaltet Business Events für Firmen und Konzerne in Europa. Bei der World Kuoshu Federation hält er einen siebten Duan (Dashi). Weitere Informationen unter www.ningmui.com.


